KuSch

Kusch-aussen (2)Im Foyer der Herborner KuSch befindet sich seit geraumer Zeit ein kleiner  Gedenkstein: „Danke für euer Wunder“, ist dort zu lesen. Und als solches fühlt sich das, was der Verein seit mehr als elf Jahren ehrenamtlich bewegt, in stillen Stunden manchmal auch an. Es ist fast 5000 Tage her, da reifte in den Köpfen einiger unverbesserlicher Optimisten der Gedanke, das kleine Städtchen Herborn, aber auch die umliegende Region mit Kleinkunst zu beglücken. Am 18. September 2002 wurde die Idee geboren, am 24. September 2004 wurde die KuSch (Kulturscheune) Herborn eröffnet, die sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem Zentrum für Kabarett, Comedy, Varieté und Musik in Mittelhessen gemausert hat. Und Theater wird dort ja auch noch gespielt – teilweise bis zu sechs Eigenproduktionen pro Jahr. Wir können über 10000 Besucher pro Spielzeit begrüßen. Die Zahl der Veranstaltungen und Besucher ist kontinuierlich gestiegen, die Vermietungen für Feierlichkeiten – auch das ist in der KuSch möglich – haben sich auf einem erfreulich hohen Niveau eingependelt.

Eine Erfolgsgeschichte? Ja, aber: Das Aber deswegen, weil man ab und zu auch etwas Glück benötigt. In diesem Falle bedeutete das die Entgegennahme zweier Erbschaften, die dem Verein die Umsetzung von Großprojekten wie dem Anbau mit Werkstatt und Probenraum ermöglicht haben. Ohne Subventionen auskommend, benötigt die KuSch Förderer, die die ehrenamtliche Arbeit unterstützen. Mit 300.000 Euro, die der Verein seinerzeit für die Verwirklichung unseres Traumes aufnehmen musste, ist man eine große Hypothek eingegangen, die in einen wirtschaftlichen Leistungsdruck münden kann.

Die KuSch ist wie ein privates Haus, sie ist nie ganz fertig. Es gibt immer neue Ideen, Stillstand ist Rückschritt. Blickt man zurück, dann brauchte es neben dem Geld auch eine Menge Geduld, Beharrlichkeit und Begeisterungsfähigkeit.

Was bekamen die Kulturinteressierten der Region, denn genau für das Gebiet zwischen Marburg und Rennerod sowie Siegen und Gießen ist der Verein seinerzeit angetreten, seither geboten? Es war ein breites Spektrum an Künstlern, das sich bislang auf dieser Bühne getummelt hat. Um nur ein paar Namen zu nennen gaben sich Hagen Rether, Richard Rogler, Jürgen Becker, Sissi Perlinger, Ottfried Fischer, Jochen Busse, Ganz Schön Feist, Bernhard Hoecker, Ingo Oschmann, Lisa Feller, Bodo Bach und auch Legenden wie Emil Steinberger oder Dieter Hildebrandt  die Klinke in die Hand. Politisches Kabarett, Comedy, musikalische Acts – die KuSch ist sehr breit aufgestellt und hat sich überregional einen Namen gemacht. Mit einzigartigen Varieté-Shows zu bieten, die es so NUR in Herborn zu sehen gibt. Durch die drei Scheunen-Slams pro Jahr ist man inzwischen bei einer völlig neuen Zielgruppe unterwegs. Und bereits achtmal hat der Verein einen Kleinkunstpreis ausgeschrieben – den Herborner „Schlumpeweck“.

Dass die KuSch auch bei der Betreuung der Künstler einiges richtig gemacht haben muss, zeigte nicht zuletzt die Wahl zur beliebtesten Spielstätte der Deutschen Kabarettmeisterschaft gleich bei der ersten Teilnahme.

Doch es sind nicht nur die Gastspiele externer Künstler, sondern auch inzwischen fünf feste Theatergruppen – darunter vier Jugendformationen – die das Haus mit Leben erfüllen.  Der Verein hat sich weiter entwickelt. Waren es 2003 noch 90 Mitglieder, so sind es heute über 500. Man ist ein Kulturverein, aber auch Dienstleister und Wirtschaftsfaktor, mittelständisches Unternehmen und Mittler zwischen den Interessen vieler Bürger.

All das erfordert Kraft, komplett ehrenamtliche Kraft, um genau zu sein. Es wird die große Kunst sein, dieses an einem großen Ziel orientierte Miteinander aufrecht zu erhalten und die ganz natürlichen Reibungsverluste, die entstehen, wenn Menschen intensiv und bis über die Belastungsgrenze miteinander arbeiten, auf ein normales Maß zu reduzieren. Auch dann, wenn einmal schwierigere Zeiten kommen und die Sonnenseite des kulturellen Lebens kurzfristig aus dem Blickfeld gerät.

Man könnte auch einen der allergrößten deutschen Humoristen aller Zeiten zitieren: „Es gibt kaum etwas, womit man soviel Theater hat, wie mit dem Theater!“ Heinz Erhardt hat es schon immer gewusst. Die KuSch weiß es seit fast zwölf Jahren und demnächst weiß man hoffentlich wieder ein bisschen mehr als heute!